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Odyssee der Transformation

Öffentliches Werkstattgespräch des Instituts für soziale Gegenwartsfragen e.V., Stuttgart

Von links: Stefan Padberg André Bleicher, Kai Ehlers, Christoph Strawe, Ulrich Morgenthaler

Die Weltlage scheint besorgniserregend: England hat sich in seinen imperialen Traum verloren, Version spätes 19. Jahr- hundert. Die Vereinigten Staaten sind in die Hände eines neuen Königs Ubu geraten und wollen ihre alte Größe wiedergewinnen, Fotos in Sepiatönen. Der russische Bär leckt sich derweil die Lefzen und China macht sich daran, wieder zum »Reich der Mitte« zu werden – ob es den Nachbarn nun passt oder nicht.
Die Welt sieht sich mit drei Herausforderungen konfrontiert.

  • Erstens: Die Länder, in denen die Globalisierung einst erfunden wurde, haben sich aus dem Staub gemacht und schwelgen im Traum einer einst so glorreichen Vergangenheit. Jeder für sich! Volle Kraft zurück! Ausstieg aus der globalen Arbeitsteilung, stattdessen das Ziel, das eigene Land in eine Festung zu verwandeln.
  • Zweitens: Mit dem Ergebnis der Pariser Klimakonferenz wurde ein Übereinkommen verabschiedet, und es kommt nicht nur darauf an, ob dieses Abkommen umgesetzt wird, sondern vor allem auch, dass mit seiner Unterzeichnung den ratifizierenden Staaten klar geworden ist, dass kein Planet existiert, der mit der Summe ihrer jeweiligen Modernisierungsstrategien und -hoffnungen kompatibel wäre. Wenn aber die planetarischen Ressourcen gar nicht ausreichen, um die Globalisierunghoffnungen zu beheimaten, bleiben nur zwei Wege: Entweder man erdet sich, oder man leugnet das Problem und hängt eskapistischen Träumen nach. Das Problem ist nur, dass es einen Rückzugsort für somnambule Staaten nicht gibt.
  • Drittens: Just in dem Moment, da wir uns der ersten beiden Probleme bewusst geworden sind, stehen die liberalen Demokratien in der Pflicht, Millionen von Menschen willkommen zu heißen, die von diversen Fehlschlägen der Globalisierung, Kriegen und Klimawandel genötigt werden, sich auf den Weg zu machen und ein Territorium für sich und ihre Kinder zu finden. Mit diesen migrierenden Völkern haben wir das Problem gemein, dass uns der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Für die alten Industriestaaten, weil es den Planeten, für den die Globalisierung gedacht war, gar nicht gibt. Für die künftigen Europäer, weil sie die infolge der Globalisierung verwüsteten Böden verlassen und ebenfalls ein Territorium finden müssen, das für uns alle bewohnbar ist. Darin liegt die neue Universalität.

Freitag, 7. Februar
19.00 Uhr (!)

Beachten Sie auch das dazugehörige Forschungskolloquium

Kosten
Selbsteinschätzung (Richtsatz euro 10)